Aus dem Polizeibericht

Lüneburger Käseblatt, vom 06.03.2011:

Friedliches Miteinander wird zum Albtraum eines Amerikaners.
(dd) Eigentlich sollte es ein gemütliches Taschenlampen-Wettweitleuchten unter Gleichgesinnten werden, so die Organisatoren des 3. Norddeutschen Taschenlampen-Events. Die Veranstaltung begann auch zunächst völlig harmlos, mit in diesen Kreisen üblichen Spielen, wie z.B. Taschenlampenweitwurf. Im Verlauf des Abends uferte das Geschehen jedoch zusehends aus, bis es schließlich völlig aus dem Ruder lief.
Gegen 21:00 riefen die Veranstalter die Polizeiwache in Reinstorf an und baten um Hilfe. „Eine aufgeregte Stimme verlangte unser sofortiges Eingreifen, da Geocacher laut Aussage des Anrufenden über einen Amerikaner herfielen“ so Hilfspolizeimeister Schulz, der mit seinem Kollegen Schmidt die Dienststelle in Reinstorf ehrenamtlich in seiner Freizeit betreibt.
„Wir sind auf unseren Dienstfahrrädern sofort mit Sonderrechten zur Einsatzstelle geeilt“, so Schulz weiter. „Vor Ort bot sich uns ein Bild des Grauens – wie eine tollwütige Meute fielen die Geocacher über einen einzelnen Mann her und rissen ihm die Kleider vom Leib. Im Laufe unserer Ermittlungen wurde uns zu Protokoll gegeben, dass der U.S. Bürger schon den ganzen Tag von seinen Anhängern behelligt wurde und viele seiner Jünger ihn berühren, oder mit ihm fotografiert werden wollten. Weiteren Ausssagen zufolge handelt es sich bei dem amerikanischen Staatsbürger um eine Art gottgleiche Figur, die von vielen Geocachern angebetet wird“, gab HPM Schulz dieser Zeitung gegenüber weiter an. „Irgendwann ist dann offensichtlich die Stimmung gekippt und seine Anhänger wollten wohl mehr von ihrem Heiland“.
Der genaue weitere Tathergang ließ sich nicht mehr rekonstruieren, da die Aussagen der Teilnehmer sehr widersprüchlich waren. Sicher ist nur, dass der Geschädigte gegen 21:00 Uhr plötzlich von einer großen Schar seiner Anhänger umringt war. Diese begannen Jeremias I. (Name durch die Redaktion geändert) schließlich zunächst um Andenken anzubetteln, als dieser jedoch darauf nicht einging, schritten die Teilnehmer zur Tat und nahmen sich was sie bekommen konnten. Innerhalb kürzester Zeit war der Betroffene von den Souvenierjägern nahezu sämtlicher Kleidung beraubt. Die vom Veranstalter eiligst herbeigerufenen Bodyguards aus Schleswig-Holsten konnten sich gegen die Masse der Angreifer jedoch nicht wehren. In einem ersten Abwehrversuch wurden die Angreifer mit extrem leuchtstarken Taschenlampen geblendet. Im nächsten Schritt ließ der Veranstalter in aller Eile sogenannte PETLinge, die in der Szene als Trophäen überaus begehrt sind, mit Logbüchern ausstatten. Das Ordnerpersonal warf sofort ca. 10 dieser so präparierten Gegenstände auf den Vorplatz des Veranstaltungsgeländes. Daraufhin liessen die Geocacher umgehend von dem Geschädigten ab, um eiligst diese PETlinge „zu loggen“ (die Outdoorsportler bezeichnen mit diesem Vorgang das Eintragen des eigenen Namens in die Logbücher). Die Leibwächter nutzten die Gelegenheit und schafften den inzwischen nahezu nackten Amerikaner in den sicheren Keller des Schützenhauses. „Die Deeskalationsmaßnahme des Veranstalters war glücklicherweise erfolgreich“, so HPM Schulz weiter. „Die Spieler waren zunächst orientierungslos, mussten dann aber laut eigenem Bekunden zufolge, umgehend nach Hause um ihren Eintrag im Internet zu bestätigen“.
In einem späteren Gespräch dieser Zeitung mit Jeremias I. teilte uns der Betroffene mit, dass er überlegt, weitere Tourneen auf den europäischen Kontinent abzusagen und sich künftig diesen Gefahren nicht mehr auszusetzen.
Vom Veranstalter war keine weitere Stellungnahme zu erhalten, ob es im nächsten Jahr eine vierte Auflage des Norddeutschen Taschenlampen-Events geben wird.

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4 Responses to Aus dem Polizeibericht

  1. Schredder says:

    Sehr schön, genau so habe ich es mir vorgestellt (Und Abstand von dem Besuch genommen)

  2. Sehr guter Bericht!
    Aus geheimen Quellen habe ich erfahren, dass das Opfer sofort aus Deutschland ausgereist ist und sich nun von der Szene distanzieren will. Er gibt an, dass diese Sekten-Artigen Zusammenschlüsse untragbar sind.
    😉
    _________________________
    Es war einfach ein tolles Event.
    Gruß
    Freddie.Pepper

  3. -jha- says:

    Danke!
    Endlich mal jemand, der diese (meiner Ansicht nur peinliche) Nummer passen kommentiert.
    „König Irish kommt nach D, um Hof zu halten“.
    Und alle kommen, sich die ewig gleichen alten Geschichten anzuhören, sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen oder die Rangordnung vor dem Thron auszutarieren…

    Die verblogten Bilder der Geogroupies erinnern an eine Startrek-Con auf der die Trekkies in Schlafanzügen oder Klingoninnen-Kostümen sich mit stolz geschwellter Brust mit den Helden ihrer feuchten Teenagerträume ablichten lassen.

    Nunja, bald gibt’s in der Geocacher-Bravo sicher auch noch einen Jerimy-Starschnitt…

  4. Pingback: Exklusiver Accountstatus bei gc.com - jetzt bewerben! | Geocaching, oder die Suche nach der Tupperdose

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